• Er hatte Angst, dass die Krise nicht lange genug dauern könnte, damit seine Landsleute die Zeit hätten, daraus zu lernen.
  • Aber Ende Mai 2020 erhielten 6,7 Millionen Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld (2019 nur 45.000).
  • Es liegt dann ganz bei Ihnen, für welche Depressionsformel Sie sich entscheiden.

Mein reicher Vater und mein armer Vater waren zu Beginn der Weltwirtschaftskrise noch in der Grundschule. Diese Erfahrung prägte für immer ihren Lebensweg. Einer der Väter wurde durch die Lektionen, die er während dieser Krise gelernt hatte, sehr reich. Der andere blieb für den Rest seines Lebens arm und finanziell unter Druck. Der Vater meines armen Vaters, also mein Großvater, hat in der Weltwirtschaftskrise alles verloren. Er verlor sein Geschäft und unbezahlbare Strandgrundstücke auf der Insel Maui, Hawaii. Mein Großvater war Unternehmer. Er hatte kein monatliches Grundeinkommen, um die Familie über Wasser zu halten. Als das Geschäft meines Großvaters zusammenbrach, verlor die Familie meines Vaters alles. Die Weltwirtschaftskrise war eine schreckliche Erfahrung für meinen Vater.

Die finanziellen Nöte der Weltwirtschaftskrise veranlassten meinen armen Vater, sich den Ideen von Arbeitsplatzsicherheit, Sparen, Hauskauf, Schuldenfreiheit und staatlicher Rente zu verschreiben. Er wollte kein Unternehmer sein. Er erlebte hautnah mit, wie mein Großvater an der Börse und bei den Immobilien alles verlor. Er wollte die Sicherheit des öffentlichen Dienstes. Er glaubte nicht an Investitionen in Vermögenswerte. Mein armer Vater hielt an diesen Werten sein ganzes Leben lang fest. Für meinen armen Vater war Sicherheit wichtiger als Reichtum. Seine Erinnerungen an diese furchtbare Depression prägten ihn sein ganzes Leben lang.

Die Familie meines reichen Vaters steckte schon vor der Großen Depression in finanziellen Schwierigkeiten. Sein Vater war jahrelang sehr krank und verstarb kurz nach Beginn der Depression. Fast noch ein Kind übernahm mein reicher Vater gezwungenermaßen die Rolle seines verstorbenen Vaters und musste für das Familieneinkommen sorgen. Da er ein junger Mann ohne abgeschlossene Ausbildung war und dadurch keine berufliche Perspektive hatte, zwang die Weltwirtschaftskrise meinen reichen Vater schon als Teenager dazu, Unternehmer zu werden. Er übernahm den Familienbetrieb und baute das Geschäft aus. Obwohl seine Familie in Not war, bat mein reicher Vater nicht um staatliche Unterstützung, nicht um Sozialhilfe o. Ä. Die Depression ließ meinen reichen Vater schneller erwachsen werden. Er lernte erst, finanziell zu überleben und dann unabhängig zu werden. Die Lehren aus der Depression machten ihn zu einem reichen Mann.

Die Weltwirtschaftskrise versetzte Deutsche, Amerikaner und alle anderen Nationalitäten auf dieser Welt in Angst und Schrecken. Die katastrophalen finanziellen Folgen führten letztlich zur Entstehung vieler der Sozialprogramme, die wir heute haben, einschließlich der ungedeckten Schulden und Verpflichtungen aus den sozialen Transferprogrammen, die für die westlichen Gesellschaften immer unbezahlbarer werden. Ich erinnere mich an das, was Henry Ford über die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre sagte. Er sagte in etwa, dass er Angst hätte, dass die Krise nicht lange genug dauern könnte, damit seine Landsleute die Zeit hätten, daraus zu lernen. Heute stehen wieder unzählige Unternehmen vor dem Aus. Die Arbeitslosigkeit steigt weltweit in die Höhe. Die Immobilienwerte treten auf der Stelle. Die Ersparnisse der Menschen gehen langsam zur Neige.

Wohlstandsniveau
In meinem Buch „Rich Dad Poor Dad“ lautet die Lektion Nr. 1: „Die Reichen arbeiten nicht für Geld.“ Wenn ich frage: „Was war die Lektion Nr. 1 meines reichen Vaters?“, erinnern sich die meisten Leser nicht an diese Lektion. Meines Erachtens liegt es daran, dass ihnen von klein an eingehämmert wurde, zur Schule zu gehen und einen Job zu finden. Sie wurden nicht dazu ausgebildet, jemand zu werden, der Arbeitsplätze schafft. Mit anderen – vielleicht etwas harten – Worten: Unser Bildungssystem bildet seine Studenten und Studentinnen eher zu Armen und Angehörigen der Mittelschicht aus. Es gibt ihnen sicher nicht das Bild eines wohlhabenden Angehörigen der reichen Oberschicht auf ihren Lebensweg mit.

Kein Wunder, dass wir Millionen von Menschen haben, die von der Regierung abhängig sind. Der Staat bietet ihnen einen vermeintlich sicheren Arbeitsplatz, ein monatliches Gehalt und eine Pension. 1970 kandidierte mein armer Vater als Vizegouverneur des Staates Hawaii gegen seinen Chef, den Gouverneur, einen Demokraten. Nachdem mein Vater die Wahl verloren hatte, gelobte der Gouverneur, dass mein Vater, ein promovierter Erziehungswissenschaftler, nie wieder für die Regierung arbeiten würde. Mein Vater starb als verbitterter Mann – arbeitswillig, aber unfähig, eine adäquate Arbeit zu finden. Anders ausgedrückt: Unsere globale Finanzkrise beginnt in unseren Schulen. Wir geben Milliarden für die Lehrerausbildung aus, doch die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer.

Arbeitslosigkeit
Jedes Unternehmen in der Welt, ob groß oder klein, versucht, die Verwaltungskosten zu reduzieren. Einer der schnellsten Wege, dies zu erreichen, ist die Reduzierung der Lohn- und Gehaltskosten durch Entlassung von Mitarbeitern.

Im Juni dieses Jahres meldete die Bundesagentur für Arbeit einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 1,3 % auf 6,3 % im Vergleich zum Vorjahr 2019. Das hört sich noch vertretbar an. Der Sprengstoff liegt aber in der Kurzarbeit. Im April 2020 explodierte die Zahl der beantragten Stellen von 6.587 im April 2019 auf 8.024.313 im April 2020. Im März 2019 ging es nicht weniger rasant hoch, von 7.521 im Jahr 2019 auf 2.638.662 im März 2020. Einen solchen Anstieg gab es noch nie. Nicht alle erhalten dann tatsächlich Kurzarbeitergeld. Aber Ende Mai 2020 waren es immerhin 6,7 Millionen Arbeitnehmer im Vergleich zum Vorjahr von nur 45.000. Jeder fünfte Erwerbstätige erhält damit Kurzarbeitergeld. Wie viele davon später in der Arbeitslosenstatistik auftauchen werden, steht in den Sternen. Die Bundesagentur für Arbeit schweigt sich dazu aus.  

Es wird geschätzt, dass während der Weltwirtschaftskrise Anfang 1932 die Arbeitslosigkeit in Deutschland bei 6 Millionen Arbeitslosen lag. Bei dem heutigen Tempo werden wir vielleicht auch bald diese Größenordnung erreichen.

Bildung
Unsere Schulsysteme haben die Schüler nicht auf das vorbereitet, was wir heute erleben. Der größte Fehler, den die meisten Menschen machen, ist, dass sie glauben, die nächsten 20 Jahre würden wie die vergangenen 20 Jahre sein. Viele glauben, dass wir diese schwierige Phase bald überstehen und dass alles wieder in Ordnung sein wird. Ob Menschen es einsehen oder nicht: Wir machen den dramatischsten Wandel in der modernen Geschichte der Menschheit durch. Unser Morgen wird nicht unser Gestern sein. Die Frage lautet: Wird sich unser gegenwärtiges Bildungssystem unserer Veränderungen anpassen?

Bildung ist wichtiger als je zuvor, aber die drängende Frage lautet: Welche Art von Bildung? Ohne wirkliche finanzielle Bildung ist es mehr als verständlich, warum es Menschen gibt, die glauben, es sei besser, weniger oder gar nicht zu arbeiten, um nicht die staatlichen Transferzahlungen zu gefährden.Ohne wirkliche finanzielle Bildung ist es mehr als verständlich, warum Menschen an eine höhere Besteuerung der Reichen als Lösung ihrer persönlichen finanziellen Probleme glauben.

Ich hoffe nicht, dass es zu einer Depression kommt. Ich bin mehr als weit davon entfernt. Niemand, der bei klarem Verstand ist, wünscht sich eine weitere Große Depression wie vor 90 Jahren. Der erste Schritt bei der Vorbereitung auf eine weitere theoretisch denkbare Depression besteht darin, sich mit ihrer alten Geschichte vertraut zu machen, die Fakten zu prüfen, in die Zukunft zu blicken und dann eigene Entscheidung zu treffen.

Es liegt dann ganz bei Ihnen, ob Sie sich für die Depressionsformel meines armen Vaters oder für die meines reichen Vaters entscheiden. Heute, da die Zeiten schlechter werden, denke ich daran, dass mein reicher Vater reicher wurde und mein armer Vater arm blieb, beide von der gleichen Depression beeinflusst.

Robert Kiyosaki

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