• Wie habe ich gelernt, zum besten Zeitpunkt zu investieren? Ich habe es beim Surfen gelernt.
  • Es kann sehr wohl sein, dass sich Geschichte wiederholt.
  • Die Forscher rechnen sogar mit einer neuen Bankenkrise in Deutschland.

Als ich im Gymnasium war, verbrachte ich die meiste Zeit mit dem Surfen oder damit, aus dem Fenster des Klassenzimmers zu schauen und den Ozean zu beobachten. Jeder Surfer weiß, dass große Wellen immer in Sätzen kommen – meistens sind es Dreiergruppen. Das heißt, wenn man die ersten zwei Wellen verpasst, dreht man um und fährt wieder aufs Meer hinaus. Die riesige dritte Welle wird kommen. Ich erinnere mich noch ganz genau an die größte Welle, auf der ich je geritten bin. Es war Winter, die Jahreszeit, in der die Riesenwellen am häufigsten in Hawaii auftreten. Ich hätte nicht im Wasser sein dürfen. Ich hätte bei den vielen Menschen am Strand bleiben sollen, die sich dort versammelt hatten, um die Surfer zu beobachten. Die Wellen waren um einiges größer als meine eigenen Surfkünste. Doch mein Ego brachte mich ins Wasser.

Da hörte ich einen Surfer, der viel weiter von mir entfernt war, „Weiter raus!“ rufen. Das bedeutete, dass ich zu weit drinnen war, genau in der Break-Zone der Welle. Also da, wo sich die Welle brechen würde. Sofort drehte ich mein Brett wieder vom Strand weg und paddelte verzweifelt, in der Hoffnung, weit genug nach „draußen“ kommen. Die erste der drei Wellen erschien mir schon groß wie ein Berg. Ich kam kaum über den Gipfel hinaus. Schon sah ich, wie der zweite Wellenberg auf das Ufer zusteuerte. Als ich den Gipfel der ersten Welle geschafft hatte, sah ich die „äußeren“ Surfer noch immer weiter vom Strand weg paddeln. Ich wusste, dass als Nächstes die riesige dritte Welle kommen würde. Mir war aber auch klar, dass ich die zweite Welle noch erwischen musste. Die dritte Welle würde mich gnadenlos überrollen.

Ich war bei meinem Start mit der zweiten Welle etwas spät dran. Ich schätze, es war eine 4 bis 5 Meter hohe Welle. Wahrscheinlich stieg sie bis auf 6 Meter an, als ich mich auf das Surfbrett stellte und mich der Welle überließ. Meine Beine wollten nicht mehr mitmachen, als sich die Welle hinter mir überschlug. Irgendwie hielt ich aber doch das Gleichgewicht, ritt, soweit ich konnte, in Richtung Strand, nahm mein Brett unter den Arm und rannte, so schnell ich konnte, den Strand hinauf. Ich musste mich vor der dritten Welle in Sicherheit bringen, die gerade anfing, sich zu brechen.

Der Anblick meiner Surfkollegen, die vergeblich der riesigen dritten Welle entgegenpaddelten, der unglaublich hohe Wellengipfel der Riesenwelle, zu sehen, wie sich dann die Riesenwelle brach und Surfbretter wie Streichhölzer durch die Luft wirbelten, hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt.  Wenn mich Menschen heute fragen, wie ich gelernt habe, das richtige Timing für meine Investitionen zu bestimmen, sage ich einfach: „Ich habe es beim Surfen gelernt.“

Die erste Welle: 1998
Die folgende Grafik zeigt die größten Finanzwellen mit ihren Abstürzen in den letzten 50 Jahren:

First wave

Im Jahr 1998 begannen die Fundamente des globalen Finanzsystems, das inzwischen eher einem gigantischen Spielcasino glich, zu bröckeln. Es kam zum ersten großen Crash. Nach der ersten Welle im Jahr 1998 folgte die sogenannte Dotcom-Blase, die um das Jahr 2000 platzte. Während der Dotcom-Blase investierten viele Menschen in Börsengänge von Internet-Unternehmen, die weder Umsätze noch Gewinne erzielten. Im März 2000 ging die Party zu Ende, aber viele Menschen wollten es natürlich nicht glauben. In der Zeitschrift Business Week hieß es in einem Artikel vom 25. Februar 2002:

„Etwa 100 Millionen Investoren, etwa die Hälfte aller erwachsenen Amerikaner, sind betroffen. Sie gehören zu den neuen Investoren, die in den letzten zehn Jahren begonnen haben, in Aktien zu investieren. Sie gehören überwiegend der Mittelschicht an. Sie verfielen der Idee, dass Aktien sie reicher machen. Sie jubelten und feierten während der langen Hausse der 1990er-Jahre. Seit dem Frühjahr 2000, als die Dotcom-Implosion den zweitschlimmsten Bärenmarkt seit dem Zweiten Weltkrieg auslöste, haben sie 5 Billionen Dollar oder 30 % ihres Aktienvermögens verloren. Es war kein Monopoly-Geld. Es war leider Geld, das für den Ruhestand, für die Ablösung von Schulden und so weiter vorgesehen war.“

Die zweite Welle: 2008
Nach dem Crash von 2008 druckten die globalen Zentralbanken und die US-Regierung geschätzte neun Billionen Dollar, um sich selbst und ihre Freunde zu retten. Seit 2010 war den meisten Menschen bewusst, dass es eine globale Finanzkrise gibt. Leider hatten die meisten Menschen keine Vorstellung, was sie dagegen tun sollten. Sie ballten ihre Fäuste fester und warteten darauf, dass die Krise vorübergeht. Sie schickten Stoßgebete gen Himmel, dass die Politiker diese globale Krise lösen und dass die glücklichen Tage zurückkehren mögen.

In meinem Buch „Unfair Advantage“, das ich 2011 geschrieben hatte, schrieb ich: „Das Problem ist, dass das kommende Jahrzehnt sich als das unbeständigste Jahrzehnt der Weltgeschichte erweisen wird, das die Welt am stärksten verändert.“ Ich sagte auch voraus, dass sich die Kluft zwischen den Besitzenden und den Habenichtsen vergrößern würde. Viele in der Mittelschicht würden in die Armut abrutschen. Leider hatte ich recht.

Als die Regierungen sich dafür entschieden, die Eigentümer der Banken zu retten, entschieden sie sich dafür, die Reichen auf Kosten der Armen und der Mittelschicht zu verschonen. Im kommenden Jahrzehnt würden die Reichen nur noch reicher und die Armen und die Mittelschicht aufgrund von Steuern und Inflation noch ärmer werden. Damit sind wir bei der dritten und letzten Welle, und zwar bei der, die heute zuschlägt.

Die dritte Welle: 2020
Da das Coronavirus Millionen von Menschen in die Kurzarbeit schickt und mit der Arbeitslosigkeit bedroht, bedeutet dies auch, dass Millionen nicht in der Lage sein werden, Zins und Tilgung für ihre Häuser und Eigentumswohnungen zu zahlen. Noch gibt es keine Statistik über die Zahl der Stundungsanträge für Darlehnsverträge. Sie dürfte in die Hunderttausende gehen. Schon im April 2020 belief sich diese Zahl allein bei den Sparkassen auf über 80.000. Die marode Commerzbank rechnet mit 10 bis 20 % von Stundungsanträgen bezogen auf den gesamten Bestand an Verbraucherkrediten. Die Forscher des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) rechnen sogar mit einer neuen Bankenkrise in Deutschland. Als Begründung führen sie an, dass viele Unternehmen ihre Kredite nicht mehr bedienen können.

Tendayi Kapfidze, Chefökonom bei LendingTree, sagt: „Ich erwarte von den Politikern, dass sie alles in ihrer Macht Stehende tun, um in einer Finanzkrise die Linie zu halten, und das bedeutet, dass sie Zwangsvollstreckungen mit allen Mitteln verhindern müssen.“ Dies würde wieder eine gigantische Rettungsaktion des Bankensystems bedeuten. Sie müsste nur siebenmal größer als die letzte Aktion ausfallen. Historisch gesehen signalisiert dieser dritte Höhepunkt den langfristigen Erschöpfungspunkt. Häufig folgt auf den dritten Höhepunkt ein tiefer Einbruch. Deshalb gehe ich davon aus, dass der nächste Crash größer sein wird als alles, was wir jemals zuvor gesehen haben.

Rückblickend ist man immer klüger. Aber ich versuche, Sie zu warnen: Seien Sie auf der Hut. Es kann sehr wohl sein, dass sich Geschichte wiederholt. Es gibt keinen besseren Zeitpunkt als den jetzigen, um sich auf schlechte Zeiten vorzubereiten. Eine solide finanzielle Ausbildung ist die beste Voraussetzung. Alles beginnt mit der Einsicht, dass Geld nicht reich macht. Ihr finanzielles Know-how ist es, das Sie reich macht.

Robert Kiyosaki

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