• Reiche vs. arme Denkweise …
  • Der Übergang vom Angestellten zum Unternehmer ist mehr als nur ein Jobwechsel. Es ist eine richtige Metamorphose …
  • Können Sie bitte bestätigen, ob das das Richtige für Sie ist?

Lieber Leser,

wir alle wissen, dass die Raupe ein Kokon spinnt, aus dem sie eines Tages als Schmetterling hervorgeht. Dieser Wandel ist so tief greifend, dass man ihn als Metamorphose bezeichnet. Eine Definition für Metamorphose lautet „eine erhebliche Veränderung des Wesens“. Während viele Menschen träumen, endlich ihren Job aufzugeben und ihr eigenes Unternehmen zu gründen, ziehen es am Ende nur wenige wirklich durch. Warum? Weil der Übergang vom Angestellten zum Unternehmer mehr als nur ein Jobwechsel ist. Es ist eine richtige Metamorphose.

Finanzielle Metamorphose ist ein neuer Begriff bei Rich Dad. Wir reden viel über Weiterbildung und finanzielle Ausbildung, aber die Ausmaße des kommenden, durch das Coronavirus bedingten Kollapses haben mich davon überzeugt, dass finanzielle Bildung allein nicht ausreicht, um während und nach der Krise weiterhin gesund und erfolgreich zu sein. Jetzt rede ich über mehr als Bildung. Ich rede über Transformation. Die Definition von Metamorphose beinhaltet den Übergang von einer unausgereiften Form zu einer erwachsenen, ausgereiften Form. Heute brauchen wir finanzielle Metamorphose mehr denn je. Sie müssen die Unreife ihrer Denkweise über Geld hinter sich lassen und zu einer reifen Persönlichkeit werden. Sie müssen aufhören, auf die alten Ratschläge über Geld zu hören.

Genauso wie wir lernen, um einen Beruf zu bekommen, will ich Ihnen nahelegen zu lernen, wie Sie sich diversifizieren, um in mehr als nur einem Quadranten operieren zu können. Eine durchschnittlich reiche Person verdient 70 % auf der rechten und 30 % auf der linken Seite des Cashflow-Quadranten. Ich habe festgestellt, dass, egal wie viel Geld die Leute verdienen, sie sich sicherer fühlen, wenn sie in mehr als nur einem Quadranten unterwegs sind.

In jedem von uns steckt ein armer Mensch

Leute mit der Denkweise eines armen Menschen glauben an Knappheit und ein Leben unter ihren Verhältnissen und werden oft von Angst geleitet. Sie arbeiten hart, oft mit zwei Jobs, um über die Runden zu kommen, aber sie kommen kaum voran, weil sie versuchen, sich immer nur gerade so über Wasser zu halten. Sie denken oft, dass mehr Geld ihre Probleme lösen würde. Aber Geld löst das Problem nur selten, es unterstreicht viel mehr jemandes Kaufgewohnheiten.

Diejenigen mit der Denkweise der Mittelschicht arbeiten auch von Gehaltsabrechnung zu Gehaltsabrechnung, aber für andere Ziele und mit anderen Mitteln. Sie haben hoch bezahlte Jobs, mit denen sie sich schöne Dinge leisten können wie große Häuser, schnelle Autos und eine beliebige Anzahl moderner Bequemlichkeiten. Und was sie nicht mit Bargeld kaufen, übernimmt die Kreditkarte für sie. Das nannte mein reicher Vater „den Traum der Mittelschicht“. Mit der Zeit richtet sich die Mittelschicht einen Lebensstil ein, der nur durch besser bezahlte Positionen und längere Arbeitszeiten aufrechterhalten werden kann.

Jemand mit einer reichen Denkweise allerdings ist kreativ und dem Risiko nicht abgeneigt. Diese Menschen machen sich nicht von Sicherheit abhängig wie jemand mit einer armen Denkweise. Und sie arbeiten nicht für den Gehaltszettel. Sie haben keine Angst, Geld zu verlieren, wie die anderen beiden Gruppen. Mein reicher Vater bestand darauf, dass ich ohne Bezahlung arbeitete. Er wollte nicht, dass ich eine arme Denkweise entwickle – als jemand, der seine Zeit gegen einen Gehaltszettel eintauscht.

Weil mein reicher Vater mir die Quadranten erklärte, erkannte ich besser, wie aus kleinen Unterschieden große Unterschiede werden, wenn man sie im Laufe der Zeit betrachtet, die ein Mensch auf Arbeit geht. Durch den Cashflow-Quadranten wusste ich, dass es mehr darauf ankam, zu entscheiden, wer ich im Laufe meines Arbeitslebens werden wollte, und nicht, was ich tun wollte. In den dunkelsten Stunden war es dieses Wissen und die Lektionen zweier starker Väter, die mich durchhalten ließen.

Eine Gruppe Menschen mit einer Denkweise auf der einen Seite und eine andere Gruppe Menschen mit einer anderen Denkweise auf der anderen Seite. Sie alle spielen dieses große Spiel des Lebens, aber jeder Quadrant spielt mit einer anderen Sichtweise und anderen Regeln. Das große Problem ist, dass es die Leute auf der linken Seite nicht schaffen, zu sehen, was die auf der rechten Seite tun. Aber die Leute auf der rechten Seite wissen genau, was die auf der linken gerade machen.

Der Weg von einem Quadranten zum nächsten ist eine innere Reise. Es ist die Reise von einer Reihe fester Grundsätze und technischer Fähigkeiten zu einer neuen Gesamtheit von Grundsätzen und Fähigkeiten. Dieser Prozess ist wie Fahrrad fahren zu lernen. Am Anfang fällt man sehr oft. Mitunter ist das frustrierend und beschämend, besonders dann, wenn die Freunde zusehen. Aber nach einer Weile hört das Fallen auf und das Fahren klappt automatisch. Wenn man wieder fällt, weiß man, dass es nicht so schlimm ist, denn man kann aufstehen und einfach weiterfahren. Der Vorgang ist identisch, wenn man von einer emotionalen Denkart der Arbeitsplatzsicherheit zu einer Denkweise der finanziellen Freiheit übergeht.

Mein letzter Gehaltszettel

Ich nahm die Stelle bei Xerox nicht des Geldes wegen an, sondern um meine finanzielle Intelligenz zu steigern – vor allem die Nummer 1 finanzieller Intelligenz: mehr Geld verdienen. Ich hatte entschieden, dass ich am besten als Unternehmer Geld verdienen könne, nicht als Flugzeugs- oder Schiffskapitän. Ich wusste, dass ich Verkaufsgeschick brauchte, wenn ich ein Unternehmer werden wollte.

Die vier Jahre bei Xerox von 1974 bis 1978 waren sehr hart. Während der ersten beiden Jahre wurde ich mehrmals fast gefeuert, weil ich nicht verkaufen konnte. Nicht nur, dass ich nichts verkaufte und meinen Job in Gefahr brachte, ich verdiente auch kein Geld. Aber ich hatte das Ziel, der beste Verkäufer des Honolulu-Geschäftes zu werden, und widmete mich allen Herausforderungen mit Entschlossenheit.

Nach den ersten beiden Jahren begannen das Verkaufstraining und die Erfahrung von der Straße zu wirken. So erreichte ich schließlich mein Ziel, der Nummer-1-Verkäufer im Honolulu-Geschäft zu werden.

Ich habe durch meine Erfahrungen bei Xerox eine wertvolle Lektion gelernt: Das Lösen des Problems war der Weg zum Wohlstand. Sobald ich mein Ziel des besten Verkäufers erreicht hatte, kündigte ich und sah meiner nächsten Herausforderung entgegen: dem Aufbau eines Unternehmens.

Ein Unternehmer werden

Einer der angsteinflößendsten Tage meines Lebens war der Tag meiner Kündigung, als ich offiziell Unternehmer wurde. An diesem Tag wusste ich, dass es keine regelmäßigen Gehaltsschecks mehr geben würde, keine Krankenversicherung oder Rentenpläne. Keine Krankheitstage mehr und auch keinen bezahlten Urlaub.

An diesem Tag fiel mein Einkommen auf 0. Der Schock, kein regelmäßiges Gehalt mehr zu bekommen, war eine der beängstigendsten Erfahrungen, die ich je gemacht habe. Am schlimmsten war, dass ich nicht wusste, wie lange es dauern würde, wieder ein regelmäßiges Gehalt zu bekommen. Vielleicht Jahre. In dem Moment meiner Kündigung wusste ich den wahren Grund, warum viele Angestellte niemals Unternehmer wurden. Es ist die Angst davor, kein Geld zu haben, kein garantiertes Einkommen, kein festes Gehalt. Sehr wenige Menschen können über lange Zeit ohne Geld auskommen. Unternehmer sind anders, und einer der Unterschiede ist die Fähigkeit, vernünftig und intelligent ohne Geld arbeiten zu können.

Eine Aussage hielten mich persönlich am Ball. Diese war der Rat meines reichen Vaters, kurz bevor ich aufgeben und zurückgehen wollte: „Du kannst immer aufgeben. Warum solltest du es also jetzt tun?“

Dieser Satz baute mich auf und hielt meine Gefühle im Zaum. Er erinnerte mich, dass ich schon halb am Ziel war, warum also umkehren? Der Weg zurück war genauso lang wie der Weg, der vor mir lag.

Regards,

Robert Kiyosaki